Evangelisierung
Einleitung
Warum haben die Getauften ihren Glauben verloren?
Papst Benedikt XVI fragt (in Spes salvi): „Ist christlicher Glaube auch für uns heute Hoffnung, die unser Leben verwandelt und trägt?“
Die Neuzeit hat den Glauben an den Fortschritt gebracht, der Glaube verlagerte sich auf die Ebene des technischen Fortschritts. Diese Sicht bestimmt noch immer die Glaubenskrise der Gegenwart als Krise der christlichen Hoffnung.
Gott ist unerreichbar für die Methoden der modernen Wissenschaften. Doch es genügt sich in die Stille zurückzuziehen, und schon erahnen wir, dass wir nicht allein sind. Jemand ist da. In ihm hat der Mensch seinen Ursprung und seine Zukunft. Heute scheint das alles vergessen zu sein.
Die Geschichte hat bestätigt, dass Jesus von Nazareth tatsächlich gelebt hat. Nüchtern und ruhig hat er von sich behauptet, der Sohn Gottes zu sein, gekommen zu sein um uns zu retten. Die Kirche ist sein Werk. Sie ist die Verbindung vom Heute zu Jesus Christus.
Sie trägt in sich die stärkste Kraft, die es auf der Welt gibt, nämlich den Heiligen Geist.
All das klingt außergewöhnlich und wunderbar. Warum ist es so wenig glaubwürdig?
Nicht nur das Gute, sondern auch das Böse existiert in uns und um uns.
Den heute Erwachsenen fehlt vielfach die Evangelisierung. Daher sind sie häufig schon als Jugendliche unter dem Vorwand der Freiheit aus der Kirche ausgetreten.
Warum soll man schon Getaufte evangelisieren?
Die Welt sehnt sich nach den Verkündern der frohen Botschaft. Sie soll den Menschen aufrütteln, sein Herz öffnen und ihn zur grundlegenden Entscheidung für Jesus Christus führen.
Die Neuevangelisierung ist eine wesentliche Aufgabe der Gemeinschaft Gebet und Wort. Sie dient der persönlichen Begegnung mit dem lebendigen Gott, denn der Glaube braucht eine klare Verkündigung Jesu Christi.
Im Buch „Begegnung mit dem lebendigen Gott“ von Prof. Dr. Tomislav Ivančić, wird die Evangelisierung in vier Zeitabschnitten vorgestellt. Es ist aus der praktischen Arbeit in der Kirche gewachsen und vielfach erprobt.
Im ersten Schritt, im Vorkatechumenat, stellen wir uns der existentiellen Frage: Warum leben wir? Besonders betrachtet wird das Geheimnis des Bösen, die Sünde um dann den Blick zu weiten auf Jesus Christus und die Erlösung.
Evangelisierung und Hagiotherapie - zwei Flügel des Charismas
„Ohne den Inhalt der Hagiotherapie kann es keine überzeugende Evangelisierung geben und es gibt keine erfolgreiche Hagiotherapie ohne Evangelisierung. Jesus ist Gott und Mensch, deshalb lassen sich im christlichen Wirken menschliche und göttliche Aspekte nicht voneinander trennen."
Quelle: Ivančić, Der Weg zur Befreiung des Menschen in Kroatien und in Europa, Kapitel I, Inhalt des Vorkatechumenats
Zunächst zur Hagiotherapie:
Das Handbuch „Begegnung mit dem lebendigen Gott“ folgt dem Aufbau des urchristlichen Katechumenats, (Rituale Die Feier der Eingliederung Erwachsener in die katholische Kirche). Dieses wurde nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil neu belebt. Es gliedert sich in vier Abschnitte, von denen der erste Teil – das Vorkatechumenat - besonders die existenzielle, anthropologische und ontologische Gefährdung des Menschen betont.
Der Mensch ist existenziell gefährdet, von Leid und Tod bedroht, fühlt sich seiner Ohnmacht ausgeliefert und sehnt sich nach dem Sinn seines Lebens. Anthropologisch (Anthropos = Mensch, Logos = Lehre) gesehen ist er eine Person, die aber durch das Böse verletzt und in ihren Möglichkeiten eingeschränkt ist. Ontologisch (On = Sein) steht der Mensch als geschaffenes, abhängiges Wesen dem ewigen Schöpfer gegenüber, nach seinem Bild ist er für die Ewigkeit geschaffen.
Diese komplexen Fragen führen zur Suche nach Befreiung von Schuld, Leid und Sinnlosigkeit.
Hier setzt die Evangelisierung an: Sie verkündet Jesus von Nazareth als den Retter, der den Menschen aus seiner grundlegenden Ohnmacht befreit.
Das Vorkatechumenat beschreibt den Menschen und seine existenziellen Fragen. Die Evangelisierung und in praktischer Hinsicht die Hagiotherapie sind die entsprechende Therapie.
Hagiotherapie ist im Glauben verankert und will den Menschen durch Begegnung mit sich selbst und seinem Schöpfer in seiner geistigen Tiefe heilen und zur Freiheit führen.
So ergänzen Evangelisierung und Hagiotherapie einander praktisch und inhaltlich: Sie zeigen nicht nur den Zustand des Menschen, sondern bieten auch konkrete Schritte zur grundlegenden Heilung und Befreiung.
Im zweiten Schritt, im Katechumenat
schauen wir auf den Heiligen Geist, die göttliche Macht. Es folgen Betrachtungen zum Glauben an Jesus Christus, zur Umkehr und zum Gebet.
Im dritten Schritt, die Phase der Reinigung und Klärung
erfolgt die Umkehr in der Praxis, d.h. die Entscheidung für Jesus, die Beichte, die Lossagung von Idolen, das Gebet um die innere Heilung.
Der vierte Schritt, die Erneuerung der Sakramente der Initiation und die Mystagogie
beinhaltet die Betrachtung der Kirche mit ihren Sakramenten der Initiation, das Leben dieser Sakramente als Leben in der Kraft des Heiligen Geistes (Mystagogie).
Dieses Seminar wurde zu einem authentischen Modell der Erneuerung und Evangelisierung der Kirche und der Gesellschaft. Es hilft die eigenen christlichen Wurzeln wieder zu entdecken und Jesus Christus zu begegnen.
Dieser Weg ist nicht nur für ungetaufte gedacht, sondern auch hervorragend geeignet für diejenigen, die zwar getauft sind aber sich nie bewusst für Jesus entschieden haben.
Jemand, der erlebt, dass Gebete gehört werden, dass er das Böse als Mangel an Gutem überwinden kann und auch in der Dunkelheit Licht und Hoffnung durchkommt, dass das Leid zur Kraft werden kann, der erfährt Gott täglich als seinen Freund und bringt anderen diese frohe Botschaft.
Paul VI: „Die Menschen suchen heute nach Zeugen, die von einem Gott sprechen, den sie kennen und der ihnen so vertraut ist, als sähen sie den Unsichtbaren.“
